Island – Schottland – Irland – Scillys – Bretagne – Spanien – Portugal – Spanien - Balearen
27. Juli bis 13. Oktober 2005, 24 Häfen, 14 vor Anker

Stornoway, der nördlichste Hafen auf den Outer Herbrides versteckt sich zuhinterst in der verwinkelten Bucht. Die Fischerboote sind hier anders, jedes eine Persönlichkeit für sich, besonders die Beschriftungen, die Farben. Wir sind in Schottland angekommen und nach der Fahrt übers Nordmeer scheint alles menschlicher – und hier im Schlosspark, dem Hafen gegenüber, wachsen Bäume, richtige Bäume! Jetzt begreife ich, dass der Baum seit alter Zeit dem Menschen so nahe stehen und Halt geben kann. Und inneren Halt braucht jetzt auch der Navigator: strong tides, heavy overfalls, dangerous seas in bad wether, narrows, shoals, stones and rocks, eddies; should be given a wide berth... Alles will gut überlegt sein, aufkommende Zweifel, jede Frage will beantwortet sein: eindeutig klar und jetzt!

Das erste Mal vor Anker, hier in Schottland, hat es mir angetan. Nach vier Meilen wird das Loch enger, dunkle Felszacken recht nahe links und rechts. Sind wir noch auf der Linie? Ja, der ferne Kirchturm peilt exakt an der Huck, immer enger wirds, nicht mehr viel unter den Kiel – jetzt! hart backbord und der Anker fällt. In der Dämmerung erstirbt jeder Laut der Natur, kein Windhauch mehr, das dunkle Wasser glatt wie ein Spiegel. Jetzt ist es schwarz – stockdunkel! Plötzlich ein lautes Atemgeräusch nahe am Boot, nichts ist zu sehen. In unregelmässigen Abständen dringt dieses Luftholen sogar durch die Bordwand. Gar nichts ist zu erkennen. Das Dunvegan Castleist ist gar keine Ruine, zwei Fenster sind schwach erleuchtet, irgendwie etwas unheimlich das Ganze. Sind Seehunde nachtaktiv? Dagegen hilft nur eine einzige Medizin: einen kräftigen Schluck Single Malt!


Island
22. Juni bis 26. Juli 2005, 17 Häfen, 6 vor Anker

Das typische Anlegemanöver geht längsseits – an die Pneus. Diese hängen in ganzen Reihen an den alten Holzpiers. Dann geht es mit der Tide rauf und runter. Die Fender fallen in die Pneus oder verklemmen dazwischen, das heisst, ständig Leinen anpassen und Fender richten, bis man, nach ein paar Tagen, die Fender einfach weglässt und die Leinen locker hält weil die Fussreling doch schon schwarz ist - und jetzt geht’s.

Der Isländer geht nicht zu Fuss, etliche kommen mit dem 4-Weeler bis an die Belegeklampen, schauen und fahren wieder. Manche lassen das Fenster runter. Man muss sie schon ansprechen; hat man ein Problem, wird einem pragmatisch geholfen oder man erhält einen Sack voll mariniertes Lammfleisch, weil von der Grillade noch übrig oder frischen Dorsch, kiloweise. Was es kostet – nichts. Zwei Dosen Viking oder eine Toblerone muss man ihnen aufnötigen, es wäre nicht nötig gewesen.

Sagt man jemandem im Dorf: Ich bin mit dem Boot da, heisst es schlicht: Yes I know.

Und dann diese junge, schroffe Landschaft, kantige Felswände, dazwischen mit Steinen übersäte, leuchtend grüne Wiesen, keinen Baum. Oder man ist vor Anker hinten in einem tiefen Fjord, hört nur das Rauschen der Wasserfälle. Wenn die Wolken aufreissen, glänzen hoch oben weiss die Gletscher. Es gibt keine Nacht, das Boot scheint in der Helligkeit angehalten und schwebt gleichsam in der Stille. Es gibt keine Zeit mehr.

Einmal landen wir mit dem Dinghi am schwarzen Strand, dahinter eine riesige grüne Lagune. Kreuz und quer liegt das Treibholz. Wir gehen knöcheltief über Moos und Flechten, wandern über prächtige Orchideenwiesen. Das Wasser stürzt die Felsen herunter und verliert sich mäandrierend in der Ebene.

Im Norden treffen wir in manchen Fjorden auf verfallene Walfangstationen. Der Walfang boomte einige Jahrzehnte, dann waren keine Wale mehr da. Danach hat man sich den Hering vorgenommen. Die Industrie brauchte Ersatz für das Fischöl zur Herstellung von Seife, Kosmetika, Farben, Lampenöl und nicht zuletzt wurde der Hering auch gesalzen in Fässern in alle Welt verschifft. Die Wale sind mit der Zeit wieder nach Island gekommen. Es ist atemberaubend diese Riesen beim Luftholen aus der Nähe beobachten zu können. In langsamer Bewegung ziehen sie die Rückenfinne durchs Wasser und tauchen dann wieder ab in die Tiefe. Ein Erlebnis ist das Walmuseum in Husavik mit neun Skeletten von gestrandeten Tieren, und unvergesslich das liebevoll, in aus der Zeit erhaltenen Lagerschuppen, eingerichtete Heringmuseum in Siglufjördur.

Silfur Hafsins – gull Íslands – guðsgjöf


Schweden – Norwegen – Shetland – Faroe - Island
21. Mai bis 21. Juni 2005, 16 Häfen, 2 vor Anker

Die Faroe-Inseln sehe ich schon von weitem – eine weisse Wolke auf dem Wasser. Der Wind läst nach, wird immer schwächer und kaum sind die Segel eingerollt, hat die Wolke uns verschluckt und mit uns auch alle Bilder, jedes Geräusch, umhüllt mit dichtem Nebel. Schlagartig ändert sich die Stimmung, jede Anstrengung etwas zu sehen, etwas zu hören, scheint wie aufgefressen, verloren im Nichts. Ich habe mich betrogen, erwartungsvoll, mit Bildern von lieblichen, grasig-grünen Inseln und silbern leuchtenden Felsrücken im klaren, flimmernden Nordlicht. Mir ist kalt, trotz Golfstrom. In der Ferne röhrt etwas, dumpf; verstummt und ertönt wieder, verfällt in seltsamen Rhythmus, wird regelmässig. Das Leuchtfeuer am Südende von Nölsoy verfügt auch über ein Nebelhorn, lassen wir dieses Stöhnen an Steuerbord, fahren wir direkt in den Nölsoyfjördur. Nach etwa einer Stunde ist das Horn schon sehr weit weg, sein Klag dünn geworden. Der Nebel verfärbt sich unmerklich, wird grünlich mit dunklen Stellen, hebt sich etwas vom Wasser, eine horizontale Linie wird sichtbar. Wir fahren einer steilen, felsigen Insel entlang. Abzuschätzen wie hoch sie ist, verwehrt uns die dichte Nebeldecke. Aber die Welt hat wieder Dimension, ein Anfang und ein Ende.

Torshavn, eine Halbinsel teilt die Bucht in zwei Hafenbecken, den Eystaravag und den Vestaravag. Auf diesem Felsrücken, besiedelt ab dem frühen 9. Jahrhundert von Norwegern, entwickelte sich die Stadt. Einige der mit Birkenrinde abgedichteten und mit Grasziegeln bedeckten Häuschen haben bis heute standgehalten. Zuhinterst gehen wir längsseits an eine alte norwegische Gaffelketsch. Wir sind angekommen.


 

 

 


Taufe
28. Mai 2005, Grundsund, Schweden

Im kleinen, Schwedischen Hafen, umstanden von den typischen alten schwarzen und in Ochsenblut gestrichenen Schuppen und Lagerhäusern liegen wir längsseits.
Ein paar Freunde sind gekommen.
Jeannette macht sich in schweren Handschuhen aufs Vordeck. In der einen Hand einen kleinen weissen Zettel, in der anderen eine Flasche - und erhebt die Stimme:

Wenn man Liebe hat im Kampf, so siegt man; Wenn man Liebe hat in der Verteidigung, so ist man unüberwindlich; Wen der Himmel retten will, den schützt er durch die Liebe.

und giesst aus der Flasche ein golden glänzendes Lebens-Wasser über Bug und Anker und ins Wasser:
Ich taufe dieses Boot auf den Namen E N K I .
und jetzt holt sie aus, und peng!, der Bugbeschlag hält stand, die Flasche auch. Nochmals, peng! – nichts. Jetzt holt sie ein drittes Mal weit aus, taack! das Glas glitzert durch die Luft… HR bauen starke Boote, sagt man.
In der Stille kommt eine leise Brise auf, und in den Gläsern funkelt der Inhalt der zweiten Flasche: Talisker, Single Malt, Isle of Skye. Wir trinken auf E N K I !
Ps erst später, im Loch Harport, vor Anker bei der Talisker Distillery lese ich das Zitat von Derek Cooper: Zunächst steigt einem die stechende, etwas ölige, torfige Wildheit in die Nase. Der Körper schlängelt sich wie ein Lavastrom von den Cuillins meinen Hals hinab. Dann steigt Dampf aus dem Krater empor, ein Erdbeben erschüttert mich, meine Augen füllen sich mit Wasser, meine Wangen beginnen wie Feuer zu brennen, ich muss mich abstützen. Der Talisker ist kein Getränk, sondern eine innerliche Explosion, ein heisser Ofen.


 

 


 


 

23. November 2004
Das Boot wird ausgebaut. Die Schreinerarbeiten sind schon weit fortgeschritten. Im Mai 2005 kommt sie dann ins Wasser und wird getauft. Dann geht’s los, und soweit liegt nun der Törnplan vor:
über Island, die Britischen Inseln, die Biscaya und Portugal bis ins Westliche Mittelmeer . . .
Interessierte sind gerne willkommen mitzufahren, aktiv oder einfach ferienhalber, der Küste entlang oder übers offene Wasser, je nachdem. Segelkenntisse sind keine erforderlich. Termine können ab heute diskutiert, reserviert oder gebucht werden.
Und bald gibt’s mehr! Ich freue mich.